Die St.-Anna-Kirche in Olesno

Die Anfänge der Wallfahrtskirche St. Anna in Olesno, die etwa zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums, an der heutigen Gorzowska-Straße liegt, reichen bis ins 15. Jh. Aus dieser Zeit stammt die folgende Überlieferung von einer wundersamen Rettung: In den die Stadt umgebenden Wäldern versteckten sich zahlreiche Räuber, die Reisende, Händler und andere Durchreisende überfielen. Eines Tages wurde die Tochter eines Bürgers von Olesno auf ihrem Heimweg, an der Stelle, wo sich jetzt die St.-Anna-Kirche befindet, von Räubern überfallen. Sie rannte schnellstmöglich weg, bis sie eine alte Kiefer erreichte, auf der einer Legende nach zweihundert Jahre zuvor die hl. Hedwig während ihrer Rückreise aus Mazowsze ein Bild der hl. Anna Selbdritt aufgehängt hatte.

Dort angekommen begann sie unter Anrufung der hl. Anna zu beten und ist erhört worden, denn für die Räuber wurde sie plötzlich unsichtbar. Trotz langer und sorgfältiger Suche mussten sich diese ohne Beute in ihr Versteck in den Tiefen des Waldes zurückziehen. Als das Mädchen nach Hause kam, erzählte es von diesem Vorfall seiner Familie und allen Bekannten. Als Dankesgabe ließ es eine Statue der hl. Anna Selbdritt schnitzen (eine Darstellung der hl. Anna – der Mutter Marias –, die die Muttergottes und das Jesuskind in den Händen hält). Sie ließ die Statue schließlich farbenfroh verzieren und an der erwähnten Kiefer befestigen. Im Laufe der Zeit versammelten sich immer mehr Menschen unter dem Baum mit der Heiligenfigur. Viele Kranke, die dort beteten und mithilfe der hl. Anna Gott ihre Sorgen vortrugen, wurden gesund, viele Blinde konnten wieder sehen. Deshalb beschloss man schließlich, an dieser Stelle eine der hl. Anna geweihte Kapelle zu errichten, um diesen Ort gebührend zu ehren. 1444 wurde hier also eine kleine, hölzerne Kapelle aufgestellt, die ungefähr so groß war, wie das Presbyterium der heutigen Kirche. Die Äste der Kiefer wurden so gekürzt, dass der Baum in das Innere der Kapelle passte, der Baumstamm wurde mit langen Brettern vor eventuellen Beschädigungen durch die zahlreichen Gläubigen geschützt. Der Strom der Pilger aus Schlesien, Polen, Böhmen und Mähren wuchs stetig, sodass bereits nach kurzer Zeit feststand, dass die Kapelle zu klein ist. Die Bürger von Olesno beschlossen nach Rücksprache mit ihren Geistlichen, dem Konvent der Augustiner Chorherren, die Kapelle in eine Kirche umzubauen. Die Bauarbeiten waren vor Ostern 1518 abgeschlossen. Die feierliche Konsekrierung der Kirche wurde am zweiten Sonntag nach Ostern vom Breslauer Bischof Jan V Turzo durchgeführt. Der Kirchenbau erreichte die Ausmaße des heutigen Nordteils (der jetzige Südteil kam 1670 hinzu). Im Presbyterium stellte man den Hauptaltar in Gestalt eines gotischen Triptychons auf, das in der Werkstatt des Meisters Jakub aus Krakau (eines Veit-Stoß-Schülers) im Jahre 1517 geschaffen wurde. Man nannte das 32 Gestalten in Flachrelief beinhaltende Triptychon „Die Heilige Familie“. Nachdem der Altar mehrere Kriegswirren überdauerte, wurde er in der Nacht vom 19. auf 20. August 1994 gestohlen und wird seitdem vermisst. Dank einer Schenkung Pfarrers Hieronim Perz baute man 1619 auf der Südseite der Kirche eine Fachwerkkapelle mit Kuppeldach an. Im Laufe der Zeit wurde die Kapelle baufällig, sodass Pfarrer Andrzej Aleksander Pechen an der Stelle des Fachwerkbaus die Errichtung eines soliden, hölzernen Anbaus beschloss. Sowohl die Gemeindemitglieder als auch der Stadtrat sowie der Graf von Gaschin und der Augustinerkonvent stimmten dem Vorhaben zu, sodass man am 19. März 1669 mit dem Abbruch des Fachwerkbaus begann. Die Arbeiten dauerten bis Mitte 1670, als der Neubau kunstvoll errichtet und durch ein Vestibül mit dem alten Teil des Kirchleins verbunden wurde. Der neue Teil der Kirche wurde am St.-Anna-Tag 1670 geweiht. Seit dem Anbau des sog. zentralen Teils kamen unzählige Pilger, die verschiedenartige Votivgaben und Andenken daließen. Bis heute blieben auf dem Balken im Chorbogen folgende Votivgaben erhalten: das geschnitzte Haupt des Hirsches des Hl. Hubertus, ein hölzerner Stock und türkische Fesseln (wohl aus dem 17. Jh.). Der geschnitzte Hirschkopf ist mit einer Überlieferung von der wundersamen Rettung eines Mädchens vor einem wild gewordenem Hirsch verbunden, der Stock soll die Wiederbelebung eines Jungen aus Wojciechów belegen, der von seinem Vater mit eben diesem Stock erschlagen wurde, die Fesseln sollen an die glückliche Befreiung von zwei einheimischen Männern aus türkischer Gefangenschaft erinnern. Die hiesigen Augustiner führten zu dieser Zeit Buch über Wunder, die mithilfe der Schutzheiligen geschehen sind. Pfarrer Krzysztof Ksawery Biadon ließ 1696 eine gründliche Renovierung der Kirche durchführen, bei der die Kuppel des neueren Gebäudeteils instand gesetzt wurde. Im Jahr darauf wurden alle fünf Kapellen des Neubaus mit Holzschindeln gedeckt, um den alten Teil herum stellte man eine Überdachung auf, die die Pilger bis heute vor Regen und Hitze schützt. In die Amtszeit des erwähnten Pfarrers fällt auch der Bau einer neuen, großzügigen Sakristei im Obergeschoss (1707). Zahlreiche Pilger besuchten das Gotteshaus zu kirchlichen Festen – besonders viele zum Patrozinium am 26. Juli. Anahand der erhaltenen historischen Quellen kann man darauf schließen, dass die Blütezeit des Sanktuariums auf die Zeit bis Mitte des 18. Jh. fällt. Die leichte Abnahme der Popularität des Gnadenortes hängt wahrscheinlich mit der Liquidierung des Chorherrenklosters, dessen Bewohner sich lange Jahre engagiert für die Entwicklung der Kirche einsetzten. Aber auch die Administratoren der Diözese vernachlässigten die Kirche nicht. Den größten Einsatz bei der Pflege des Erscheinungsbildes des Sanktuariums zeigte Pfarrer Walenty Morawietz (1872–1891), der im Jahr 1873 gründlich das Kircheninnere instand setzen ließ, indem er die Renovierung der Altäre und das Streichen der Wände veranlasste. Außerdem veränderte man die Funktionsweise des Triptychons am Hauptaltar und stellte neben ihm zwei Seitenaltäre auf ( rechts Josefsaltar, links St.-Valentin-Altar). 1880 wurden als Teil der Umfriedung 14 neogotische Bildstöcke mit Darstellungen der jeweiligen Stationen des Kreuzwegs um den Kirchplatz herum gebaut. Zur gleichen Zeit stellte man am nord-östlichen Ende des Friedhofs ein Leichenhaus im gleichen Baustil auf. Nachdem Baron Reiswitz seine Lähmung überwunden hatte, konvertierte er aus Dankbarkeit für seine wundersame Genesung vom Protestantismus zum Katholizismus und errichtete ca. 50 m südlich vom Hauptgebäude eigenhändig eine gemauerte Kapelle. Die beiden Weltkriege überdauerte die Kirche unversehrt, wobei wir on einem Ereignis berichten können, das wie ein kleines Wunder erscheint, denn als betrunkene russische Soldaten im Jahr 1945 in die Kirche eingedrungen waren und dort ein Lagerfeuer entzündeten, fing das gut imprägnierte Holz seltsamerweise kein Feuer. Die erste Generalsanierung des Gotteshauses in der Nachkriegszeit wurde 1958 zur Amtszeit des Pfarrers Gustaw Lysik (19571968) durchgeführt. Die Arbeiten beaufsichtigte der hiesige Zimmermann Jan Kusa. Sie wurden Mitte 1959 abgeschlossen. Seitdem der jetzige Pfarrer der Kirche, Prälat Zbigniew Donarski, der Pfarrgemeinde von St. Anna in Olesno vorsteht (seit 1983) beendete man den Bau des Feldaltares und brachte den Kirchenbau zur architektonischen Vollendung. Das neueste Ergebnis der Bemühungen Prälats Donarski ist die im Jahr 2000 erfolgte Rückführung von fünf Kapellen in den Originalzustand, bei der dem Holz seine ursprüngliche, natürliche Farbe wiedergegeben wurde. Darüber hinaus wurde eine Alarmanlage installiert. Prälat Donarski bemüht sich ferner um die Wiederbeschaffung des gestohlenen Hauptaltars sowie um die Herstellung einer Replik. Die St.-Anna-Kirche ist das am zahlreichsten besuchte Sanktuarium in der Gegend von Olesno. Jedes Jahr versammeln sich während der Patroziniumsfeierlichkeiten um die 20.000 Gläubige um das Gotteshaus herum, um mit der Fürbitte der hl. Anna vor Gott beten. Das Patrozinium wird stets an dem Wochenende gefeiert (von Samstag bis Montag), das dem liturgischen Festtag der Schutzheiligen, dem 26. Juli, am nächsten steht. T³um. Maria Zmuda



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