Die Kirche St. Rochus

Auf einer Anhhe am Weg von Grodzisko nach Wysoka steht ein hlzernes Kirchlein, das dem Hl. Rochus von Montpellier – dem Schutzpatron vor Seuchen – geweiht ist. Das Gotteshaus wurde 1710 zum Dank fr die Verschonung von der Pest, die vom Februar bis Dezember 1708 die Bevlkerung von Olesno dezimiert hatte, gebaut. In der Stadtchronik von Olesno finden sich zwei berlieferungen eines Josefs Lompa, die den Ausbruch der Seuche in der Stadt erklren: In einem Text heit es, dass ein Mann aus Polen, der den Markt in Olesno besuchen wollte, die Seuche in die Stadt gebracht habe. Dieser sei noch vor den Toren der Stadt zusammengebrochen und verstorben. Der Totengrber habe ihn auf dem stdtischen Friedhof begraben. Da beim Toten kein Geld zu finden gewesen sei, habe er sich als Lohn fr seinen Dienst dessen Kleider angeeignet. In diese Kleider gehllt sei er in die Stadt gegangen und habe die Menschen ringsum mit der schrecklichen Krankheit angesteckt. An einer anderen Stelle in der Stadtchronik steht geschrieben, die Seuche sei mit einer Partie Juchtenleder eines russischen Kaufmanns in die Stadt gebracht worden.

Ganze 90 % der Stadtbevlkerung fielen der Pest zum Opfer. Die amtlichen Meldungen der damals nach Olesno gesandten kaiserlichen Mediziner besagen, dass die Epidemie vom Februar bis Dezember 1708 andauerte und die meisten Opfer im August zu beklagen waren, nachdem der Landvogt des Oppelner Schlesiens die vllige Abschottung Olesnos vom Rest der Welt angeordnet hatte. Brcken wurden abgebrochen, eine Ringsperre errichtet, die Grenzbergnge zu Polen geschlossen und die Stadt wurde von berittenen Einheiten umstellt, die jeden niederschossen, der aus der Stadt zu flchten versuchte. Trotzdem gelang ca. 100 Brgern die Flucht in angrenzende Wlder und Felder, wodurch sie sich vor dem sicheren Tod retten konnten. Whrend der Pest starben auch alle Geistliche aus dem hiesigen Augustiner-Chorherrenkonvent bis auf Pater Pankratz Istel, der einen Krankenbesuch in Borki Wielkie abstattete, denn als er zurck wollte, war die Stadt bereits abgeriegelt. Die geistliche Betreuung in dieser Zeit bernahmen freiwillig und unter Einsatz ihres Lebens die Franziskaner aus dem Konvent in Namyslw. Die berlebenden kehrten nach der Epidemie in die Stadt zurck und begruben ihre Toten auf Pestfriedhfen, wo bis heute Kreuze zu sehen sind: an der heutigen Lubiniecka Str., in der senke an der Drzymala Str., an der Grunwaldzka Str., gegenber vom stdtischen Bad und an der Kreuzung von Wielkie Przedmiescie und Lubliniecka Str. Die brig gebliebenen Brger von Olesno und die Neuankmmlinge beschlossen, zum Dank und um in Zukunft von solchen Seuchen verschont zu bleiben, eine Kirche zu Ehren des hl. Rochus zu bauen. Als geeigneten Platz fr dieses Vorhaben erwhlte man eine Anhhe auf dem sog. dland bei Grodzisko. Nachdem man das gesamte Baumaterial ohne Fuhrwerke, nur mit Muskelkraft an den Bestimmungsort verbrachte, konnte der Bau der Votivkirche 1710 abgeschlossen werden. Ein reicher Trke (angeblich der Laibarzt des damaligen Tataren-Chans) fand im Jahr 1762 in der Nhe des Kirchleins die Sttte seiner letzten Ruhe. Er starb, als er auf dem Rckweg von Berlin mit seiner Karawane Olesno passierte. Man erzhlt sich in der Gegend auch eine Legende, die sich auf die Errichtung der St.-Rochus-Kirche bezieht. Auf einer vertrockneten Kiefer, die am Weg von Wysoka nach Grodzisko steht, hngt ein Bildstock. Die Legende besagt, dass die neue Kirche zunchst direkt neben dieser Kiefer aufgestellt werden sollte, deshalb brachte man auch das Baumaterial dorthin. Als die Arbeiter am nchsten Tag ankamen, um ihr Tagwerk zu verrichten, dachten sie an einen Scherz, denn das gesamte Baumaterial befand sich auf einmal auf dem ca. 500 m entfernten Hgel. Sie investierten viel Zeit darin, den Baustoff zurckzuholen, aber am nchsten Tag wiederholte sich die Geschichte, was man nun als ein Zeichen Gottes verstand. Man baute das Kirchlein auf der Anhhe und auf der Kiefer befestigte man als Andenken einen Bildstock, der dort bis heute hngt. Die Stadt Olesno grndete in den Jahren 1774–1775 zwei Wohnkolonien, die an das alte Dorf Grodzisko (damals Groetsch) grenzten. Sie hieen Walspek und Rosenhain. Ganz Walspek und vier Teile der Kolonie Rosenhain wurden der Pfarrei Olesno zugeteilt, denn die am nchsten gelegene Kirche St. Rochus war, hier errichtete man auch einen Friedhof fr die Einwohner der Kolonien. Der hundertste Jahrestag der Entstehung der St.-Rochus-Kirche im Jahr 1808 wurde sehr festlich begangen. Das Jubilum wurde vom ersten dizesealen Administrator der Pfarrei Jan Galetzka und dem damaligen Vikar und spteren Pfarrer Fryderyk Pompa organisiert. In den Quellen wird angegeben, dass 30 Geistliche an den Festlichkeiten teilnahmen, und dass so viele Glubige da waren, dass die einen in der Prozession aus der Stadt hinausgingen, whrend die anderen bereits auf dem ca. drei Kilometer entferntem Friedhof ankamen. Die Votivkirche wurde in allen Kriegswirren verschont und blieb unversehrt. Auf Bitten der Pfarrgemeinde hielt Pfr. Hugo Jendrzejczyk am 19. Januar 1945 um 15.00 Uhr einen Bittgottesdienst um Schutz vor den sich nhernden sowjetischen Truppen. In der Nachkriegszeit wurde an der Kirche zahlreiche Arbeiten verrichtet. 1960 wurde unter Pfr. Gustaw Lysik eine Generalsanierung innen und auen durchgefhrt. Er funktionierte auch die an den Kirchplatz grenzende Sandgrube in ein Amphitheater um, das bis heute bei kirchlichen Festen, besonders zu Feiern des Kirchenpatroziniums genutzt wird. Der nachfolgende Pfarrer von Olesno Antoni Kaleja lie die Kirche mit einem Blitzableiter und einer Tonanlage ausstatten, er begann auch den Bau eines Feldaltars im bereits erwhnten Amphitheater. Der jetzige Pfarrer Prlat Zbigniew Donarski vollendete diesen Bau. Im Jahr 1990 wurde die Kirche abermals im Auenbereich renoviert, indem fehlendes Holz ergnzt und das ganze Gebude imprgniert wurde. Die neuesten Manahmen bestanden 1997–1998 in der vollstndigen Renovierung des Kircheninneren, im Jahr 1999 wurden Alarmanlagen gegen Einbruch und Brand installiert und die Imprgnierung des Gotteshauses wurde erneuert. Besonders lohnend scheint die Installation der Einbruchsicherung zu sein, denn 1994 begann eine Serie von Einbrchen und Plnderungen in Kirchen in der Gegend von Olesno. auch das St.-Rochus-Kirchlein hatte unter einem solchen Einbruch zu leiden, denn in der Nacht vom 11. (Donnerstag) auf den 12. Mrz (Freitag) 1995 wurden hier kostbare Figuren gestohlen: die vier Evangelisten auf der Kanzel, hl. Sebastian und hl. Stephanus vom Hl.-Kreuz-Altar sowie hl. Gregor und hl. Augustin, welche das Seitenschiff schmckten. Dank des Engagements der hiesigen deutschen Minderheit wurde auf dem zur St.-Rochus-Kirche gehrenden Friedhof im Jahr 1995 ein Denkmal fr die im II. Weltkrieg gefallenen Einwohner von Grodzisko und der Lubliniecka Str. in Olesno errichtet. Gegenwrtig zieht die St.-Rochus-Kirche jedes Jahr viele Glubige zu verschiedenen Anlssen an. Der wichtigste Anlass ist das alljhrliche Patroziniumsfest. Es findet an dem Wochenende statt, das dem Gedenktag des Hl. Rochus am 16. August am nchsten ist, und wird von Samstag bis Montag begangen. An diesen Tagen versammeln sich ca. 10 000 Glubige in der und um die Kirche herum. Bis heute lsen wir unser altes Versprechen, jedes Jahr auf den St.-Rochus-Hgel zu pilgern, ein. Mgen wir zu Ehren Gottes und des heiligen Schutzpatrons jedes Jahr mehr werden. Tum. Maria Zmuda



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