Ks. dr Konrad Freier

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Den anfangs gewiss nicht leichten Entschluss, nach Deutschland zu kommen, hat der Bühner Pastor Dr. theol.Lic.iur.can. Konrad Freier in noch keinem Augenblick bereut. Nachdem Willy Brandt die Ostverträge unterzeichnet hatte, war auch für die deutschstämmigen Schlesier die Zeit der Hoffnung auf eine künftige deutsche Zugehörigkeit vorbei. Man musste sich nun fernab aller Illusionen endgültig entscheiden: gehen oder bleiben. Die gesamte Familie Freier (Eltern, Pastor mit zwei Brüdern und einer Schwester) entschied sich schnell und begann ab 1974 ein neues Leben in der Bundesrepublik Deutschland.

Doch die Wurzeln lagen in Schlesien und genau dort schuf sich unser Pastor die Voraussetzungen für sein späteres Leben. An einem Sonntag (daher sein frohsinniger Charakter) im Jahre 1940 geboren, stand für ihn schon in der Grundschulzeit fest: Ich werde später einmal Priester. Diesen Wunsch verfolgte er konsequent und besuchte nach der Grundschule in Lindenhöhe (Wysoka) das Gymnasium in Rosenberg (Olesno). Dort erhielt er bei der Verfolgung seiner Ziele einen kleinen Dämpfer, denn die für ein Theologiestudium nun einmal notwendige lateinische Sprache wurde auf dem Gymnasium plötzlich nicht mehr angeboten. Die kommunistische Partei ersetzte die Kirchensprache Latein kurzerhand durch Französisch. Erwähnung sollte in diesem Zusammenhang auch die Tatsache finden, dass es für die Schlesier nach 1945 verboten war, Deutsch zu sprechen. Ein schlesischer Lehrer in der Grundschulzeit verhinderte aber, dass unserem Pastor Nachteile wegen seiner Abstammung in Erinnerung geblieben sind. Aufhalten konnten die Machthaber den künftigen Priester bei der Verwirklichung seines Traumberufes aber keineswegs. Nach dem Abitur im Jahre 1958 schrieb er sich nicht für Medizin oder Biologie ein (mit diesem Gedanken hatte er sich kurzfristig auch beschäftigt), sondern studierte in Neiße (Nysa) Theologie und wurde am 29. Juni 1963 in Lindenhöhe zum Priester geweiht. Drei Jahre war er Vikar in Gogolin und sechs Jahre Domvikar in Oppeln. Hier schloss er sich der Krakauer Schule an, einem Verein von Künstlern und legte dort den Grundstein für seine spätere künstlerische Laufbahn, die neben der Entstehung von Ikonen, Portraits und Bildern mit impressionistischen Merkmalen vor allen Dingen Wandmalereien in Kirchen wie Unna -Massen, Herne Bönninghausen, Bühne und Muddenhagen bevorzugt. Zwei große Themen zeichnen sich in seiner Malerei ab, die sich jedoch nicht voneinander trennen lassen und gleichzeitig sein Leben bestimmen. Das eine ist der Glaube, die nichtfassliche Göttlichkeit und der immer damit verbundene Versuch, auch durch die Malerei der theologischen Wahrheit näher zu kommen. Auf der anderen Seite sind der Mensch, die Natur und das Leben Hauptmotive seiner Bilder. Nach seiner Übersiedlung in den Westen Deutschlands mit den üblichen Stationen Friedland, Unna-Massen und einem Sprachkurs in Iserlohn, ließ er sich gemeinsam mit seinen Eltern in Geseke nieder und erhielt eine Vikarstelle (1975-80 Stadtkirche). Danach wurde er neuer Priester der St. Vitus-Gemeinde in Bühne und der St. Sturmius-Gemeinde in Muddenhagen. Neben seiner künstlerischen Leidenschaft als Maler besitzt er aber eine nicht weniger ausgeprägte Liebe zu Autos und zu Motorrädern. Mag sein, dass sein Bruder in Polen, von Beruf Autotechniker, den Hang zu den Motoren vorantrieb, jedenfalls kommt schon ein wenig `Don-Camillo-Stimmung` auf, wenn der Ortspriester mal wieder vor seinen erstaunten Besuchern ölverschmiert unter einem gerade reparierten Auto hervorkriecht. Das muss sich auch der Prof. Dr. Przekop von der Universität in Lublin gedacht haben, als er in einem Gespräch mit dem Pastor anklingen ließ, dass theologische Weisheiten unter den Autos kaum zu finden seien. Er verschaffte dem Priester mit einer Magisterarbeit, die schließlich bis hin zur Promotion führte, wieder ein Betätigungsfeld der ursprünglicheren Art. Somit hat unser Pastor es auch seiner übertrieben Liebe zu den Autos zu verdanken, dass er seinen ersten Doktortitel mit dem Thema: "Verwirklichung der karitativen Funktion der Kirche auf der Basis der Deutschen Diözesen und Gemeinden nach dem II. Vatikanischen Konzil (1965-90) errang. Da der Pastor Dr. Konrad Freier am 8. Dezember 1992 zum Diözesanrichter in erstinstanzlichen Ehesachen am Erzbischöflichen Offizialat in Paderborn ernannt worden war, das Amt für alle Instanzen aber nur von einem im Kirchenrecht promovierten Diözesanrichter ausgeübt werden darf, promovierte er ein zweites Mal mit dem Titel "Die "gregorianischen Messen" im Lichte der Vorschriften des kanonischen Rechtes". Der zweifache Priesterdoktor fühlt sich in seinen nun so von ihm bezeichneten Heimatgemeinden Bühne und Muddenhagen sehr wohl. Das belegt nicht zuletzt auch seine Verbundenheit zu den heimischen Vereinen. Als Präses steht er an der Spitze der St. Vitus-Schützenbrüderschaft und ist außerdem noch Mitglied der Feuerwehr und des Gesangvereins. Auch als kombinationssicherer und torhungriger Fußballer hilft er der Lehrermannschaft der Grundschule regelmäßig, sich dem Ansturm der aufstrebenden Schülerfußballer beim traditionellen Fußballspiel Schüler gegen Lehrer zur Wehr zu setzen. In der letzten Zeit wurde im Rahmen der Neustrukturierung der Diözese und den daraus resultierenden Pfarrverbunden seine Mithilfe in den Nachbargemeinden Körbecke, Rösebeck, Lütgeneder, Großeneder und Manrode notwendig. Sein Herz wird aber, und das betonte er im Gespräch mehrfach, weiterhin hauptsächlich für Bühne und Muddenhagen schlagen. Am Anfang dieses Berichtes war die Rede davon war, dass der Bühner Pastor in noch keinem Moment den Entschluss zur Übersiedlung in den Westen bereut hat. Er meint damit , dass er froh war, den in Glaubensfragen sehr eng gesteckten Rahmen der alten Heimat verlassen zu können, um im Westen durch die Begegnung mit verschiedensten Überzeugungen auch im Umgang mit anderen Menschen toleranter zu werden. So sieht er sich als Europäer, der engstirnigem und kleinkariertem Verhalten eine entschiedene Absage erteilt und glaubt, dass der Fundamentalismus der Religionen in der Vergangenheit und in der Gegenwart für zuviel Leid gesorgt habe. Er meint außerdem: "Im Zeitalter der Globalisierung sollten wir unsere Energien nicht sinnlos dadurch verschleudern, dass wir etwa eifersüchtig die Moscheen der Muslime zählen, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass uns eine derartig hohe Anzahl nicht angenehm ist. Wir müssen uns vielmehr energisch gegen die Fundamentalisten dieser Religion wehren. Eine Chance in diesem seit dem 11. September veränderten Zeitalter haben wir nur dann, wenn wir uns auf unsere christlichen Werte besinnen und auch zu diesen Überzeugungen stehen. Erst dann, wenn unsere Überzeugungen einen festen Bestand haben und nicht mehr austauschbar sind, werden wir von den Islamisten ernst genommen. Die Spaßgesellschaft, die nur dem einen Sinn dient, in kürzestem Abstand für möglichst viel fun und Abwechslung zu sorgen, hat endgültig ausgedient.



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